Simon Beckett — Die Chemie des Todes
19. January 2009Während der Feiertage habe ich endlich mal wieder die Zeit genutzt um einen Roman zu lesen. Eine spannende, mich packende Geschichte, welche mich so begeistert hat, dass es nicht leicht war das Buch beiseite zu legen. Ich habe mir dieses Buch aufgrund der guten Kritiken gekauft und schon die erste Seite hat mich so fasziniert, dass ich sie hier zitieren möchte:
“Ein menschlicher Körper beginnt fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen. Der Körper, einst die Hülle des Lebens, macht nun die letze Metamorphose durch. Er beginnt sich selbst zu verdauen. Die Zellen lösen sich von innen nach außen auf. Das Gewebe wird erst flüssig, dann gasförmig.
Kaum ist das Leben aus dem Körper gewichen, wird er zu einem gigantischen Festschmaus für andere Organismen. zuerst für Bakterien, dann für Insekten. Fliegen. Aus den gelegten Eiern schlüpfen Larven, die sich an der nahrreichen Substanz laben und dann abwandern. Sie verlassen die Leiche in Reih und Glied und folgen einander in einer ordentlichen Linie, die sich immer nach Süden bewegt. Manchmal nach Südosten oder Südwesten, aber niemals nach Norden. Niemand weiß warum.
Mittlerweile sind die Proteine der Muskeln zerfallen und haben einen für die Vegetation tödlichen Chemiecocktail produziert. Durch die Larven, die über das Gras krabbeln, entsteht so eine Nabelschnur des Todes, die sich zu ihrem Ausgangspunkt zurückspannt. Unter den entsprechenden Bedingungen - warm und trocken beispielsweise, ohne Regen - kann sie meterlang werden, eine dicke braune Schlangenlinie, die vor fetten gelben Larven zu pulsieren scheint. Ein sonderbarer Anblick, der jeden Neugierigen dazu veranlassen würde, diese Phänomen zurück zu seinem Ursprung zu verfolgen. Und so entdeckten die Yates-Brüder, was von Sally Palmer übrig geblieben war…”
Diese Einleitung finde ich besser als jeden Klappentext. Wer hier das Bedürfnis verspürt weiter zu lesen, dem sei das Buch wärmstens ans Herz gelegt. Simon Beckett baut in diesem Roman einen tollen Spannungsbogen auf, der sich über das ganze Buch erstreckt. David Hunter, ein forensischer Anthropologe, erzählt die Geschichte aus seiner Sicht. Er beschreibt, wie er in diesen Fall involviert war und lässt seine Erlebnisse Revue passieren. Die Spannung wird nicht zuletzt durch Ausblicke in die Zukunft aufrechterhalten. Der Autor versteht es geschickt mittels Äußerungen wie: “Diese Entscheidung sollte ich später noch bereuen.”, den Leser bzw. die Leserin an die Geschichte zu binden. Von mir gibt es daher eine absolute Kaufempfehlung. Ich jedenfalls habe den Nachfolgeroman “Kalte Asche” schon zuhause liegen.
Zum Inhalt (Quelle: amazon.de):
David Hunter war einst Englands berühmtester Rechtsmediziner. Nach dem Unfalltod seiner Frau und der gemeinsamen Tochter hat er London den Rücken gekehrt und sich in Manham, einem kleinen Dorf in der Grafschaft Devon, als einfacher Allgemeinmediziner niedergelassen. Weder sein Arbeitgeber, der alte Dr. Maitland, noch die Dorfbewohner wissen etwas von seiner Vergangenheit.
Drei Jahre sind seitdem vergangen, als von zwei Jungen die Leiche der ortsansässigen Schriftstellerin Sally Palmer entdeckt wird. Die Ermordete wurde mit zwei angesteckten Schwanenflügeln aufgefunden. Auf Drängen des örtlichen Chief Inspector Mackenzie obduziert Hunter den Leichnam. Währenddessen verschwindet eine zweite Bewohnerin des Dorfes. Die Verdächtigungen der Einheimischen richten sich zuallererst gegen David Hunter, den in ihren Augen immer noch Fremden …